Neues von der Burg Wersau – Sendschreiben Nr.1

Neues von der Burg Wersau – Sendschreiben des Fördervereins Burg Wersau

 

Liebe Mitglieder des Fördervereins Burg Wersau!
Seit der Gründung unseres Vereins sind nun einige Tage ins Land gegangen.
Weshalb das erste Sendschreiben von der Burg auch umfangreich ausfällt.

Künftig wollen wir einmal im Monat Neuigkeiten rund um unsere ehemalige Burg verkünden. Sie werden also fortan öfter von mir, Marlene Klaus, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Verein, etwas zu lesen bekommen.

Im ersten Sendschreiben September 2012 finden Sie die Ereignisse des regen Sommers 2012 zusammengefasst.

  1. Lehrgrabungen auf dem ehemaligen Burggelände im Bereich der heutigen Schlossmühle:
    Am 8. September endete die Grabungssaison. Acht Studentinnen und Studenten von der Universität Heidelberg führten unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Meier während des Sommers Lehrgrabungen durch. Finanziert wurden diese hauptsächlich vom Regierungspräsidium Karlsruhe, Landesamt für Denkmalpflege. Die Gemeinde Reilingen stellte aus dem Haushaltsetat 10.000 Euro. Dr. Thomas Damminger vom Regierungspräsidium Karlsruhe leitete die Koordination zwischen Gemeinde, Universität und Arbeitskreis Burg Wersau.

Die Arbeiten:

Mühl- und Burggraben wurden angegraben, zahllose Scherbenfunde wurden geborgen. Das Landesamt für Denkmalpflege wertet diese aus. Bereits jetzt lässt sich sagen, dass die Funde hauptsächlich dem 16. Jahrhundert zuzuordnen sind. Doch auch bronzezeitliche Keramikteile förderten die Gräberinnen und Gräber zutage. Diese wanderten zur Universität Heidelberg, wo eine genaue Datierung festgelegt wird.
Unter den Mauern, die bisher freigelegt wurden, fanden sich alte Holzbalken, auf denen die Mauern ruhten. Die Verantwortlichen entschlossen sich, etwas Holz zu entnehmen und es an der Universität ebenfalls einer Altersbestimmung zu unterziehen.
Kinder:
Auch die Kleinen betätigten sich gerne als Archäologen. Unter der Aufsicht von Hella Müller buddelten sie begeistert im Kindergrabungsfeld, welches das Landesamt für Denkmalpflege einrichtete. Ganze Schulklassen suchten nach der ehemaligen Burg, groß war die Aufregung, als sie einen Silberanhänger fanden. Im Rahmen des Kinderferienprogramms schaufelten etwa 35 Nachwuchsarchäologen Sand und Geröll. Es war für alle ein tolles Erlebnis.

 

  1. Besuch:
    Anfang August interessierten sich auch die regionalen Medien für unsere Burg. Innerhalb einer Woche klopften die Schwetzinger Zeitung, die Rhein-Neckar Zeitung, der SWR Rundfunk sowie der SWR 1 Baden Württemberg an die Tore. Unter den alten Apfelbäumen ließen sie es sich bei Schmaus und Trank wohlergehen. Die Versorgung übernahm der Förderverein.

  2. 9. September 2012, Tag des offenen Denkmals, eine Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz:

Gut 400 interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger strömten am 9. September zum ehemaligen Burggelände. Bei den turnusmäßig angebotenen Führungen konnten sie sich über den Stand der Grabungsarbeiten informieren. An den Grabungsschnitten erklärte zunächst Dr. Folke Damminger vom Regierungspräsidium Karlsruhe die Vorgehensweise anhand der geophysikalischen Untersuchungen. Diese messen Widerstände im Boden, „wo Mauern sind, gibt’s Ausschlag“. An den aussagekräftigsten Schnitten begann man zu graben. Manfred Benner, ebenfalls vom Regierungspräsidium Karlsruhe, erläuterte nicht nur archäologisches Arbeiten selbst, sondern auch dessen Ergebnisse aus den Jahren 2010 und 2011, die die Grundfesten des Turms und dessen Einbindung in die ehemalige Wehrmauer erkennen ließen. Prof. Dr. Thomas Meier von der Universität Heidelberg beleuchtete schließlich die Vorgehensweise der Lehrgrabungen vom Sommer 2012: Die vorjährigen Funde ließen die Suche nach der Kernburg sinnvoll erscheinen. An zwei Schnitten wurde gearbeitet. Was dort zum Vorschein kam, lässt folgende Schlussfolgerungen zu: Eine Erbauung der Burg im frühen 13. Jahrhundert kann als gesichert angenommen werden. Die Vorburg ist relativ gut erhalten, von der eigentlichen Burg fehlen bisher Spuren. Als mögliche Erklärung hierfür sei ein vollkommenes Abtragen der Überreste im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert möglich.

Spannend und interessant fanden die Besucherinnen diese Informationen. Sie konnten ihre Meinung den Fragebögen anvertrauen, die das Projekt „Archäologie und Öffentlichkeit“ unter der Leitung von Petra Tillessen M.A. vorbereitet hatte, welches die Lehrgrabungen flankierte. Hierbei geht es darum, dass Forschung, Wissenschaft und Archäologie ja nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern Auswirkungen auf Bevölkerung und Gemeinde hat. Dies in einem Bedeutungszusammenhang zu sehen, ist Ziel des Projekts, dessen Auswertung veröffentlicht werden soll.

Dass der Wissensdurst groß ist, konnte man vor Ort bereits sehen. Die Besucher fanden sich nicht nur zu den Führungen zahlreich ein, auch bei der vom Arbeitskreis Burg Wersau zusammengestellten kleinen Ausstellung über die Grabungsfunde gab es Andrang. Die Mannschaft vom Regionalfernsehen meikel.tv filmte und führte Interviews. Auf dem gesamten Gelände unterhielt man sich in kleinen und größeren Gruppen, saß man bei strahlendem Spätsommersonnenschein im Schatten der alten Apfelbäume und genoss Kaffee, Kuchen, kühle Getränke und „Schnitzelweck“. Der Förderverein Burg Wersau, der die Bewirtung übernommen hatte, konnte am Tagesende auf eine erfolgreiche Bilanz zurückschauen.

 

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